Blinddarmentzündung: erkennen – operieren oder Antibiotika?
Typisch sind Schmerzen, die um den Nabel oder im Oberbauch beginnen und in den rechten Unterbauch wandern, dazu Übelkeit, Appetitlosigkeit und Fieber.
Rechtsseitige Unterbauchschmerzen – ist das eine Blinddarmentzündung?
Typisch sind Schmerzen, die um den Nabel oder im Oberbauch beginnen und in den rechten Unterbauch wandern, dazu Übelkeit, Appetitlosigkeit und Fieber. Beim Drücken und besonders beim Loslassen tut es weh. Verlässlich ist das Bild aber nicht: Schwangere spüren den Schmerz oft im Oberbauch, bei Kindern und älteren Menschen bleiben die Beschwerden mild. Bauchschmerzen, die über Stunden anhalten, gehören deshalb ärztlich abgeklärt. Die Blinddarmentzündung ist eine der häufigsten akuten Erkrankungen des Bauchraums — in Deutschland erkranken schätzungsweise 150.000 Menschen pro Jahr (Siehe auch: Leistenbruch trotz Netz wieder).
Wie wird eine Blinddarmentzündung festgestellt?
Nicht durch Abwarten, sondern durch Untersuchung und Bildgebung: Abtasten, Blutuntersuchung, Ultraschall. Der Ultraschall ist die Bildgebung der ersten Wahl und zeigt, ob der Wurmfortsatz geschwollen ist oder sich Flüssigkeit gesammelt hat. Bei jüngeren Patientinnen und bei Schwangeren werden Sonographie und Kernspin der Computertomographie vorgezogen, um Strahlung zu vermeiden. Bestätigt sich der Verdacht, wird in der Regel innerhalb von 24 Stunden operiert.
Muss eine Blinddarmentzündung immer operiert werden?
Nicht zwingend. Bei einer unkomplizierten Blinddarmentzündung sind Antibiotika eine Alternative — die deutsche S1-Leitlinie lässt sie zu, hält aber fest, dass die sofortige Operation wirksamer bleibt. In der größten Auswertung von sechs Studien kamen im ersten Jahr rund zwei Drittel der antibiotisch Behandelten ohne Operation aus, ein Drittel wurde doch operiert. Liegt ein Kotstein (Appendicolith) vor, ist die Operation der klarere Weg: Dort traten unter Antibiotika deutlich mehr Komplikationen auf (15 gegenüber 6 Prozent). Ist der Wurmfortsatz durchgebrochen, wird sofort operiert. Die Operation erfolgt standardmäßig minimalinvasiv (Siehe auch: Blinddarmentzündung).
Was tatsächlich hilft. Vor der Abklärung nichts essen — für eine mögliche Operation muss der Magen nüchtern sein. Keine Schmerzmittel und keine Wärmflasche auf den Bauch: Sie verschleiern das Bild und machen eine Appendizitis schwerer zu erkennen. Der zuverlässige Weg ist die Vorstellung in Praxis oder Notaufnahme mit Blutuntersuchung und Ultraschall.
Wann Sie nicht abwarten sollten. Starke oder wiederkehrende Schmerzen im rechten Unterbauch, harte Bauchdecke, Schüttelfrost oder Fieber über 38,5 °C: sofort in die Notaufnahme. Wenn die Schmerzen plötzlich nachlassen und der Bauch danach hart und druckempfindlich ist, ist das kein Grund zur Entwarnung, sondern ein Warnzeichen für einen Durchbruch.
Was Sie mitnehmen können
- Schmerzen, die um den Nabel beginnen und in den rechten Unterbauch wandern, mit Übelkeit und Fieber: über Stunden anhaltend ärztlich abklären, nicht aussitzen.
- Die Diagnose sichern Untersuchung, Blutwerte und Ultraschall — nicht das Abwarten.
- Bei unkomplizierter Appendizitis sind Antibiotika möglich; ein Kotstein oder ein Durchbruch sprechen klar für die Operation.
- Vor der Abklärung nichts essen und keine Schmerzmittel; bei harter Bauchdecke, Schüttelfrost oder Fieber über 38,5 °C sofort in die Notaufnahme.
Sources
• S1-Leitlinie „Empfehlungen zur Therapie der akuten Appendizitis bei Erwachsenen" (AWMF 088-011), Version 1.0, Dezember 2021 — AWMF-Register
• Scheijmans et al., Lancet Gastroenterol Hepatol 2025 (Individual patient data meta-analysis, 6 RCTs) — PubMed 39827891
• Salminen et al., JAMA 2026 (APPAC, 10-Jahres-Nachbeobachtung) — PubMed 41563747
• IQWiG, gesundheitsinformation.de: Blinddarmentzündung (Appendizitis), Stand 31.01.2024 — gesundheitsinformation.de
References
• Andric M, Kalff JC, Schwenk W, et al. Empfehlungen zur Therapie der akuten Appendizitis bei Erwachsenen. AWMF-Registernummer 088-011, S1-Leitlinie, Version 1.0, Dezember 2021.
• Scheijmans JCG, Haijanen J, Flum DR, et al. Antibiotic treatment versus appendicectomy for acute appendicitis in adults: an individual patient data meta-analysis. Lancet Gastroenterol Hepatol 2025;10(3):222–233. PMID 39827891, DOI 10.1016/S2468-1253(24)00349-2.
• Salminen P, Salminen R, Kallio J, et al. Antibiotic Therapy for Uncomplicated Acute Appendicitis: Ten-Year Follow-Up of the APPAC Randomized Clinical Trial. JAMA 2026;335(12):1041–1049. PMID 41563747, DOI 10.1001/jama.2025.25921.
• Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Blinddarmentzündung (Appendizitis). Gesundheitsinformation.de, aktualisiert am 31. Januar 2024.
Keine individuelle medizinische Beratung – dieser Text ersetzt nicht die ärztliche Beurteilung.