Calprotectin im Stuhl: Was der Wert aussagt – und was nicht

Calprotectin ist kein Tumormarker, sondern ein Eiweiß aus bestimmten weißen Blutkörperchen, das in den Stuhl gelangt, wenn die Darmschleimhaut entzündet ist; gemessen wird damit das Ausmaß einer Entzündung, nicht das Vorhandensein eines Tumors.

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Ärztin erklärt einen Befund im Gespräch
📸 Shixart1985 / CC BY 2.0

Kann ich mit einem Calprotectin-Wert unter 20 trotzdem Darmkrebs haben?

Ja — ein niedriger Calprotectin-Wert schließt Darmkrebs nicht aus. Calprotectin ist kein Tumormarker, sondern ein Eiweiß aus bestimmten weißen Blutkörperchen, das in den Stuhl gelangt, wenn die Darmschleimhaut entzündet ist; gemessen wird damit das Ausmaß einer Entzündung, nicht das Vorhandensein eines Tumors. Ein Wert unter 20 µg/g gilt als unauffällig und spricht dafür, dass gerade keine aktive Entzündung im Darm abläuft. Ein Darmkrebs kann aber lange wachsen, ohne eine solche Entzündung auszulösen. In einer Auswertung von 20 Studien erreichte Calprotectin für die Erkennung von Darmkrebs nur eine Spezifität von 61 % — es sprach also zu oft bei Menschen ohne Krebs an, um als Krebstest zu taugen. Ein unauffälliger Wert ist damit beruhigend für die Entzündungsfrage, aber kein Krebs-Ausschluss (Siehe auch: Verstopfung).

Wofür wird Calprotectin dann gemessen?

Vor allem, um zu unterscheiden, ob hinter Darmbeschwerden eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) oder eine funktionelle Störung wie ein Reizdarmsyndrom steckt — und um abzuschätzen, wer zügig eine Darmspiegelung braucht. Weil entzündliche Darmerkrankungen den Wert zuverlässig erhöhen, ist ein niedriger Wert aussagekräftig: Eine solche Entzündung ist damit unwahrscheinlich. Bei bekannter chronisch entzündlicher Darmerkrankung dient Calprotectin der Verlaufskontrolle und zeigt einen Schub oder eine abgeheilte Schleimhaut an. Wichtig: Der Wert schwankt von Tag zu Tag, Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR können ihn erhöhen, und die Labortests sind nicht identisch — bewertet wird er immer zusammen mit Beschwerden, Untersuchung und gegebenenfalls einer Darmspiegelung (Siehe auch: Darmspiegelung).

Wie wird Darmkrebs wirklich früh erkannt?

Die S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom nennt für Menschen mit durchschnittlichem Risiko ab dem Alter von 50 Jahren drei wirksame Verfahren: die Darmspiegelung (Koloskopie) alle 10 Jahre, die Spiegelung des unteren Dickdarms (Sigmoidoskopie) alle 5 Jahre oder den immunologischen Stuhltest auf verborgenes Blut (iFOBT) alle 1–2 Jahre. Die Darmspiegelung ist der Goldstandard: Sie hat die höchste Treffsicherheit und ist das einzige Verfahren, mit dem Krebsvorstufen (Polypen) direkt entfernt werden können — noch bevor daraus Krebs entsteht. Gesetzlich Versicherte haben einheitlich ab 50 Jahren Anspruch auf zweimal eine Darmspiegelung im Abstand von 10 Jahren oder alternativ alle zwei Jahre einen Stuhltest; fällt der Stuhltest auffällig aus, besteht Anspruch auf eine Darmspiegelung. Ein wichtiger Zusatz: Wer einen Verwandten ersten Grades mit Darmkrebs hat, sollte die erste Darmspiegelung schon 10 Jahre vor dessen Erkrankungsalter und spätestens mit 40 Jahren erhalten. Calprotectin kommt in dieser Liste der Früherkennung nicht vor.

Was tatsächlich hilft. Kein Laborwert ersetzt das Gespräch: Ein unauffälliges Calprotectin ist kein Krebs-Ausschluss, ein erhöhter Wert beweist umgekehrt keinen Krebs. Wer anhaltende Beschwerden, Blut im Stuhl oder einen erkrankten Verwandten ersten Grades hat, sollte das beim nächsten Arzttermin offen ansprechen und die passende Früherkennung — Darmspiegelung oder Stuhltest — prüfen lassen. Das ist der Weg, mit dem Darmkrebs früh erkannt oder sogar verhindert wird.

Wann Sie nicht abwarten sollten. Bei sichtbarem Blut im Stuhl, ungewolltem Gewichtsverlust, Blutarmut durch Eisenmangel, einer über Wochen anhaltenden Stuhlveränderung oder tastbaren Knoten im Bauch gehört die Ursache ärztlich abgeklärt — unabhängig vom Calprotectin-Wert. Ist ein iFOBT positiv, folgt eine Darmspiegelung.

Was Sie mitnehmen können

  • Calprotectin ist ein Entzündungsmarker, kein Tumormarker: Ein niedriger Wert schließt Darmkrebs nicht aus (S3-Leitlinie 021-007; Ye 2018).
  • Ein Wert unter 80 µg/g gilt als unauffällig und spricht gegen eine aktive Darmentzündung; gemessen wird er vor allem, um chronisch entzündliche Darmerkrankungen vom Reizdarm abzugrenzen.
  • Darmkrebs wird mit der Darmspiegelung (ab 50, alle 10 Jahre) oder dem iFOBT-Stuhltest (alle 1–2 Jahre) früh erkannt — nicht mit Calprotectin.
  • Bei Blut im Stuhl, ungewolltem Gewichtsverlust, Eisenmangel oder einem erkrankten Verwandten ersten Grades: unabhängig vom Laborwert ärztlich abklären lassen.

Sources

• S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Version 3.2, März 2026 (AWMF-Registernummer 021-007OL, Langversion) — PDF
• Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie: Fäkales Calprotectin, Referenzbereiche (Revision 09.09.2024) — PDF
• G-BA, Pressemitteilung vom 16.01.2025: Darmkrebsvorsorge ab 50 Jahren für Frauen und Männer — g-ba.de
• Ye X, et al. Diagnostic accuracy of fecal calprotectin for screening patients with colorectal cancer — PubMed 30249553

References

• Ye X, Huai J, Ding J. Diagnostic accuracy of fecal calprotectin for screening patients with colorectal cancer: A meta-analysis. Turk J Gastroenterol 2018;29(4):397–405. PMID 30249553, DOI 10.5152/tjg.2018.17606.
• Ayling RM, Kok K. Fecal Calprotectin. Adv Clin Chem 2018;87:161–190. PMID 30342711, DOI 10.1016/bs.acc.2018.07.005.
• Mosli MH, Zou G, Garg SK, Feagan SG, MacDonald JK, Chande N, Sandborn WJ, Feagan BG. C-Reactive Protein, Fecal Calprotectin, and Stool Lactoferrin for Detection of Endoscopic Activity in Symptomatic Inflammatory Bowel Disease Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis. Am J Gastroenterol 2015;110(6):802–819. PMID 25964225, DOI 10.1038/ajg.2015.120.

Keine individuelle medizinische Beratung – dieser Text ersetzt nicht die ärztliche Beurteilung.