Leitlinien-Update KW 40/2026: MetALD - wenn Fettleber und Alkohol zusammenkommen

Die AGA sortiert die Fettleber neu: metabolische Risikofaktoren und Alkohol bilden eine eigene Kategorie. Dazu die neue ASGE-Leitlinie zu Varizen bei Zirrhose, die Leitlinie zu presakralen Zysten und die AWMF-Neuerungen der Woche.

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Leitlinien-Update KW 40: MetALD – Fettleber und Alkohol
📸 rawpixel / CC0 1.0

Leitlinien-Update fasst wöchentlich zusammen, was die AWMF und PubMed an neuen oder überarbeiteten Leitlinien melden - für Fachpublikum und interessierte Leser. Für den 21. bis 28. September 2026: 9 AWMF-Meldungen und 15 internationale Leitlinien- oder Konsensus-Publikationen, mit Schwerpunkt bei Leber, Endoskopie und Beckenchirurgie.

Das Wichtigste in 60 Sekunden

  • Fettleber mit Alkoholanteil: Die AGA ordnet in einem Clinical Practice Update Diagnostik, Staging und Therapie der MetALD (PMID 42776095).
  • Zirrhose: Die ASGE legt eine neue Leitlinie zu Ösophagus- und Magenvarizen vor (PMID 42788918).
  • Presakrale Zysten: Die Leitlinie 2026 hält an der vollständigen Resektion als einziger kurativer Option fest (PMID 42615313).
  • AWMF: zwei neue Augenleitlinien der Version 1.0 (AMD-Prävention, uveitisches Makulaödem, gültig bis 06.09.2031) und zwei Konsultationsfassungen - LONTS und Patientenleitlinie Prostatakrebs 2 (AWMF 045-030).

Fettleber plus Alkohol: die AGA ordnet MetALD ein

Die AGA hat am 22.09.2026 in Clinical Gastroenterology and Hepatology ein Clinical Practice Update zur metabolisch und alkoholbedingten Steatose veröffentlicht. Grundlage ist die Nomenklatur von 2023, die steatotische Lebererkrankungen in MASLD, MetALD und ALD trennt; laut Dokument sind sie die häufigste Ursache chronischer Lebererkrankungen und leberbedingter Sterblichkeit in den USA. Die Best Practice Advice zu Diagnostik, Staging und Therapie stützen sich auf Literaturübersicht und Expertenmeinung, ohne systematische Reviews (Quelle).

Was heißt das für die Praxis? Metabolische Risikofaktoren und relevanter Alkoholkonsum zusammen sind eine eigene Kategorie - nicht die reine Fettleber. Die Empfehlungen haben damit Experten-, nicht GRADE-Stärke.

Zirrhose: neue ASGE-Leitlinie zu Varizen

Die ASGE hat am 25.09.2026 in Gastrointestinal Endoscopy eine Practice Guideline zum Management von Ösophagus- und Magenvarizen bei Patienten mit Zirrhose publiziert (PMID 42788918).

Was heißt das für die Praxis? Mehr als Titel, Journal und Datum liegt hier nicht vor - kein Abstract. Belegt ist also nur, dass die ASGE das Thema neu aufgreift; ob Schwellenwerte oder Abläufe geändert wurden, ist daraus nicht ableitbar.

Presakrale Zysten: nur die komplette Resektion heilt

Presakrale Zysten sind seltene zystische Raumforderungen zwischen Kreuz- und Steißbein und Rektum. Die Leitlinie der China Anti-Cancer Association in der Ausgabe 2026 (23.09.2026) hält fest, dass die vollständige chirurgische Resektion die einzige kurative Behandlung ist - und beschreibt das Risiko: Die Region liegt direkt an Rektum, Sakrum sowie wichtigen Gefäßen und Nerven. Ungeeignete Zugangswege führen demnach zu residualer Zystenwand, Rezidiv, massiver Blutung und Beckenbodendysfunktion. Die Empfehlungen bauen auf den Expertenkonsensen von 2021 und 2024 auf (Quelle).

Was heißt das für die Praxis? Ziel ist die Radikalität, nicht die schnelle Entlastung: Wer die Zystenwand stehen lässt, erzeugt die Probleme, die später reoperiert werden müssen. Zugangsweg und Bildgebung gehören vor die Operationsplanung.

Thoraxchirurgie: AATS aktualisiert die Empfehlungen zum frühen Lungenkarzinom

Die AATS hat ihr Expert-Consensus-Dokument von 2023 überarbeitet - Staging und interdisziplinäres Management beim frühen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (The Journal of Thoracic and Cardiovascular Surgery, 25.09.2026). Betroffen sind Staging, neoadjuvante und operative Therapie. Als zentrale Änderungen nennt die Zusammenfassung zusätzliche randomisierte Studien zur prä- oder perioperativen Chemoimmuntherapie, adjuvante zielgerichtete Therapie für geeignete Patienten und veränderte Standards zur adjuvanten Immuntherapie bei bisher unbehandelten Patienten (Quelle).

Was heißt das für die Praxis? Diese Optionen gehören in die interdisziplinäre Konferenz; exaktes Staging bleibt die Grundlage. Ohne abgeschlossenes Staging ist jede Therapiefestlegung verfrüht.

Lunge bei Immundefekt: ERS-Leitlinie zu GLILD bei CVID

Für die granulomatös-lymphozytäre interstitielle Lungenerkrankung (GLILD) bei Patienten mit variablem Immundefektsyndrom (CVID) gab es bisher keine akzeptierte Leitlinie. Die European Respiratory Society liefert nun Empfehlungen nach GRADE: Screening bei allen Erwachsenen mit CVID, bevorzugt per hochauflösender Computertomografie; Bewertung im multidisziplinären Team; routinemäßige Lungenbiopsien sind nicht verpflichtend, bei atypischen Verläufen aber erforderlich; Lungeninfektionen müssen ausgeschlossen werden (PMID 42350065).

Was heißt das für die Praxis? Das Lungen-Screening gehört damit zum Standard, auch ohne Beschwerden - erst Infektionen ausschließen, dann einordnen.

AWMF: zwei neue Augenthemen, zwei Konsultationsfassungen

Zwei neue Augenleitlinien der Version 1.0, Stand 07.09.2026, gültig bis 06.09.2031: Registernummer 045-030 zu Risikofaktoren und Primärprävention der altersabhängigen Makuladegeneration mit Screening, Monitoring und Präventionsempfehlungen (AWMF 045-030) sowie Registernummer 045-032 zum uveitischen Makulaödem mit Hilfestellung für gezielte augenärztliche Diagnostik und Therapie (AWMF 045-032).

Noch keine gültigen Leitlinientexte, sondern Konsultationsfassungen für Stellungnahmen sind LONTS zur Langzeitanwendung von Opioiden bei chronischen nicht tumorbedingten Schmerzen (Stand 21.09.2026, gültig bis 13.10.2026, AWMF 145-003KF) und die Patientenleitlinie Prostatakrebs 2 (Stand 17.09.2026, gültig bis 17.10.2026, AWMF 043-022OLKF).

Was heißt das für die Praxis? Der Präventionsteil der AMD-Leitlinie betrifft die ambulante Beratung; zu beiden Konsultationsfassungen sind bis zum Ablauf der Frist Stellungnahmen möglich.

Weitere internationale Publikationen dieser Woche

  • S3-Leitlinie zu seltenen Zahnerkrankungen: 41 Empfehlungen zu seltenen dentalen und parodontalen Erkrankungen (Quelle).
  • SITC-Leitlinie Immuntherapie bei akuter Leukämie, Version 2.0: Diagnostik und Therapie bei ALL und AML (Quelle).
  • Schmerz bei Impfungen, Update 2026: GRADE-Empfehlungen in fünf Bereichen (Quelle).
  • HLH-Leitlinie 2026: Revision der chinesischen Fassung von 2022 (Quelle).
  • Lungenkarzinom 2026 (chinesische Onkologie-Gesellschaft): strengere Vorgaben für das LDCT-Screening (Quelle, zweite Fassung).
  • Übelkeit und Erbrechen unter Krebstherapie 2026 (CACA) (Quelle).
  • Langzeitbetreuung nach Stammzelltransplantation (SFGM-TC) (Quelle).
  • Anti-VEGF-Biosimilars in der Netzhauttherapie (Fédération France Macula) (Quelle).
  • Qualitätsmanagement in der Chromatografie (EFLM) (Quelle).

In Vorbereitung: noch keine gültigen Vorgaben

Drei AWMF-Meldungen sind Anmeldungen: Sie kündigen eine Leitlinie an und enthalten noch keinen gültigen Text - keine Empfehlung. Betroffen sind die Langerhans-Zell-Histiozytose im Erwachsenenalter, Registernummer 032-063 (Quelle), die Klinische Ernährung in der Intensivmedizin, Registernummer 073-004, Version 2.0, mit Empfehlungen zu ICU-AW und PICS (Quelle) und die Cystinose, Registernummer 166-006, Version 1.0, unter Berücksichtigung von Multiorganbeteiligung und Transition (Quelle).

Quellen & Methodik

Grundlage sind die AWMF-Neumeldungen des Zeitraums und die internationalen Publikationen, die PubMed unter dem Publikationstyp Practice Guideline führt. Bei zwei Augenthemen enthielt der AWMF-Feed dieselbe Registernummer zweimal mit unterschiedlichen Links auf dasselbe Dokument; das erklärt einen Teil der 9 Meldungen. NICE (UK) wird nicht erfasst, weil die Seite nur mit einem Browser auslesbar ist. Bei ESC, ACC/AHA oder IDSA steht hier oft nur der bibliografische Eintrag statt des Volltexts - Empfehlungen geben wir nur wieder, soweit sie belegt sind. Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht.

Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle medizinische Beratung und keines der genannten Originaldokumente; für Therapieentscheidungen gilt allein die aktuelle Fassung der jeweiligen Leitlinie.