Wunde nach der Operation: Wann sie normal heilt – und wann sie zum Arzt muss
Eine Operationswunde darf in den ersten Tagen rot sein, spannen und gelblich-klares Sekret absondern — das sind Serum und Lymphe, kein Eiter. Die Tendenz entscheidet.
Meine Wunde ist rot, geschwollen und nässt gelb – ist das noch normal?
Eine Operationswunde darf in den ersten Tagen rot sein, spannen und gelblich-klares Sekret absondern — das sind Serum und Lymphe, kein Eiter. Entscheidend ist die Richtung: Eine heilende Wunde wird jeden Tag ruhiger. Wird sie ab dem dritten bis fünften Tag zunehmend rot, dicker, wärmer oder schmerzhafter, oder wird das Sekret trüb und übelriechend, ist das keine Heilung mehr. Wundinfektionen sind dabei kein Randthema: Nach der Nationalen Punktprävalenzstudie 2022 waren 23,5 Prozent aller im Krankenhaus erworbenen Infektionen Wundinfektionen (Siehe auch: Schnittwunde).
Wie lange darf eine Operationswunde gerötet und geschwollen sein?
Solange Rötung, Schwellung und Schmerz abnehmen, ist alles im Rahmen. Definitionsgemäß ist eine oberflächliche Wundinfektion bis 30 Tage nach der Operation möglich, eine tiefe Infektion von Faszie, Muskel, Organen oder Körperhöhlen bis 90 Tage — ein Problem kann also auch nach der Entlassung noch auftreten. Rauchen und ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus begünstigen es (Siehe auch: Narben nach einer Operation).
Muss eine entzündete Wunde wieder geöffnet werden?
Oft ja. Hat sich unter einer verschlossenen Naht ein Eiterherd gebildet, hilft ein Antibiotikum allein nicht — Eiter muss abfließen. Die Wunde wird eröffnet, gereinigt und heilt von unten nach oben zu (Sekundärheilung). „Ein paar Fäden müssen raus" ist also kein Rückschlag, sondern der Beginn der Behandlung. Ein trockener, unauffälliger Verband kann bis zur Wundheilung liegen bleiben; anhaltend nässende, primär verschlossene Wunden brauchen besondere Aufmerksamkeit.
Was tatsächlich hilft. Wunden heilen beim Erwachsenen nicht als Gewebeersatz, sondern als Narbe — dieser Umbau braucht Wochen. Bis zur Freigabe gilt: nicht baden, nicht schwimmen, keine Sauna; duschen ist meist erlaubt, nasse Auflagen danach wechseln, davor die Hände desinfizieren. Keine Hausmittel auf die Wunde, nicht am Schorf oder an den Fäden ziehen, und die Belastungsregeln einhalten.
Wann Sie nicht abwarten sollten. Fieber über 38,5 °C oder Schüttelfrost, eine ausbreitende Rötung, ein hartes, heißes Wundgebiet, zunehmender Schmerz, trüb-eitriges oder übelriechendes Sekret, eine aufgehende Wunde: noch am selben Tag ärztlich abklären lassen — bei Fieber mit ausbreitender Rötung oder Schüttelfrost direkt in die Notaufnahme.
Was Sie mitnehmen können
- Eine frische Wunde darf rot sein und gelblich-klar nässen; die Tendenz entscheidet — heilend wird sie täglich ruhiger, infiziert ab dem 3.–5. Tag schlechter.
- Wundinfektionen sind die häufigsten im Krankenhaus erworbenen Infektionen in Deutschland; sie gehören abgeklärt, nicht ausgesessen.
- Rötung, Wärme, zunehmender Schmerz, eitrig-riechendes Sekret und Fieber: noch am selben Tag zum Arzt, bei Schüttelfrost in die Notaufnahme.
- Dass Nähte wieder eröffnet werden, ist kein Fehler, sondern die Behandlung: Eiter muss abfließen, die Wunde heilt von unten nach oben zu.
Sources
• S3-Leitlinie „Perioperative und Periinterventionelle Antibiotikaprophylaxe" (AWMF 067-009), Langversion 5.0, September 2024 — AWMF-Register
• KRINKO beim Robert Koch-Institut, Prävention postoperativer Wundinfektionen (2018) — RKI
• Eckmann et al., PLoS One 2022 (Wundinfektionen in 79 deutschen Kliniken) — PubMed 36576894
• Gurtner et al., Nature 2008 (Wundheilung und Narbenbildung) — PubMed 18480812
References
• Abele-Horn M, Novotny A, Bader L, et al. S3-Leitlinie Perioperative und Periinterventionelle Antibiotikaprophylaxe. AWMF-Registernummer 067-009, Langversion 5.0, September 2024.
• Eckmann C, Kramer A, Assadian O, et al. Clinical and economic burden of surgical site infections in inpatient care in Germany: A retrospective, cross-sectional analysis from 79 hospitals. PLoS One 2022;17(12):e0275970. PMID 36576894, DOI 10.1371/journal.pone.0275970.
• Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Prävention postoperativer Wundinfektionen. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2018;61(4):448–473. DOI 10.1007/s00103-018-2706-2.
• Gurtner GC, Werner S, Barrandon Y, Longaker MT. Wound repair and regeneration. Nature 2008;453(7193):314–321. PMID 18480812, DOI 10.1038/nature07039.
Keine individuelle medizinische Beratung – dieser Text ersetzt nicht die ärztliche Beurteilung.