Haut am After nach Verstopfung: Mariske, prolabierende Hämorrhode oder Rektumprolaps?

Ein Vorfall nach dem Pressen ist meist eine Mariske oder eine prolabierende Hämorrhode — nicht jede Hautfalte am After ist eine Hämorrhoide. Was konservativ hilft und wann eine Untersuchung nicht warten sollte.

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Wartbereich eines modernen Gesundheitszentrums mit Stühlen und Flur
Foto: Tiia Monto, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Was kommt da nach dem Pressen aus dem After?

Ein Gewebe, das beim Pressen herauskommt, sich zurückschieben lässt und von selbst wieder herauskommt, ist in der Regel eine Mariske oder eine prolabierende Hämorrhode. Die Unterscheidung ist körperlich einfach: Eine Mariske ist eine bindegewebige Hautfalte, mit Haut überzogen, meist nach einer abgeheilten Fissur oder einer perianalen Thrombose zurückgeblieben — sie blutet nicht und schmerzt nicht. Eine prolabierende Hämorrhode ist mit Schleimhaut beziehungsweise Übergangsepithel überzogen. Beim Hämorrhoidalleiden werden vier Grade nach Goligher unterschieden: Grad I ist nur proktoskopisch sichtbar, Grad II fällt beim Pressen vor und zieht sich spontan zurück, Grad III geht nur von Hand zurück, Grad IV ist dauerhaft außen und irreponibel. Wird Haut (Anoderm) außerhalb des Afters sichtbar, heißt das Anodermprolaps oder Analprolaps. Ein Rektumprolaps ist etwas anderes: Er fällt an der zirkulären Fältelung auf (Anodermprolaps: radiäre Fältelung) und tritt überwiegend im Säuglings- und Kleinkindalter auf. Bei Jugendlichen und Erwachsenen ist er ungewöhnlich und gehört abgeklärt.

Muss das operiert werden?

Nicht automatisch. Für asymptomatische Hämorrhoiden gilt in der Leitlinie: nicht invasiv behandeln (starker Konsens, 9 von 9). Erste Stufe ist immer konservativ — Stuhlregulation, Ballaststoffe, anderes Toilettenverhalten. Große Marisken kann man entfernen, wenn sie stören, und zwar ohne Hämorrhoidektomie, solange keine relevanten Hämorrhoiden daneben bestehen. Ein dauerhaft außen liegender, nicht reponibler Vorfall, zunehmender Schmerz oder eine Blutung sind dagegen Gründe, zeitnah untersucht zu werden — nicht zwingend für eine Operation, aber für eine Diagnose (Siehe auch: Verstopfung).

Was kann ich selbst tun?

Ballaststoffe sind die am besten belegte Maßnahme: In einer Metaanalyse von sieben randomisierten Studien mit 378 Patienten sank unter Ballaststoffen (vor allem Flohsamen/Plantago ovata) das Risiko, dass die Beschwerden gleich bleiben, um 47 %, das Blutungsrisiko um 50 % — bei überwiegend mäßiger Studienqualität. Dazu kommen ausreichend Trinken (bei wenig Trinkmenge und hartem Stuhl entsteht das Pressen überhaupt erst) und ein Toilettenverhalten ohne langwieriges Drücken. Für Salben und Zäpfchen ist die Datenlage dünn; steroidhaltige Präparate gehören nicht dauerhaft angewendet, sondern höchstens kurz (Siehe auch: Gummibandligatur bei Hämorrhoiden).

Was tatsächlich hilft. Trinkmenge und Ballaststoffe so einstellen, dass der Stuhl weich ist und ohne Pressen kommt — das ist die Basis, egal ob Mariske oder Hämorrhode. Kein längeres Drücken und kein Aufschieben des Stuhlgangs. Ballaststoffe einschleichen, sonst bläht der Darm. Bei Brennen und Rissen hilft eine konsequente Stuhlregulation mehr als jedes Lokalpräparat. Und: einmal anschauen lassen, damit die Diagnose steht — nicht jede Hautfalte ist eine Hämorrhoide.

Wann Sie nicht abwarten sollten. Wenn sich der Vorfall nicht mehr zurückschieben lässt, wenn er schmerzhaft, hart oder bläulich wird, bei Fieber, Rötung und Überwärmung, bei zunehmender Blutung oder Schleimabsonderung, bei Stuhlveränderungen oder einem Gefühl der unvollständigen Entleerung. Peranale Blutungen gehören grundsätzlich – abhängig vom Alter – ärztlich abgeklärt, weil auch andere Ursachen dahinterstecken können.

Was Sie mitnehmen können

  • Ein Vorfall, der sich zurückschieben lässt und nicht blutet, ist meist eine Mariske oder eine prolabierende Hämorrhode (Grad II–III) — Marisken sind Hautfalten, keine Hämorrhoiden (AWMF 081-007).
  • Asymptomatische Hämorrhoiden werden nicht invasiv behandelt; erste Stufe ist konservativ mit Stuhlregulation und Ballaststoffen (AWMF 081-007).
  • Ballaststoffe senken das Risiko persistierender Beschwerden um 47 % und von Blutungen um 50 % (7 RCTs, 378 Patienten, mäßige Qualität) (Alonso-Coello 2006).
  • Abklären lassen: nicht reponibler Vorfall, Schmerz, Fieber, zunehmende Blutung, Stuhlveränderung — peranale Blutungen immer altersabhängig ärztlich einordnen (AWMF 081-007).

Sources

• AWMF S3-Leitlinie Hämorrhoidalleiden, Registernummer 081-007 (DGK) — Leitlinienregister — Version 3.0, Stand 01.04.2019, gültig bis 31.03.2024, in Überarbeitung
• Qureshi W, et al. AGA Clinical Practice Update on Diagnosis and Treatment of Hemorrhoids (Clin Gastroenterol Hepatol, 2026) — PubMed 42067175
• Alonso-Coello P, et al. Fiber for the treatment of hemorrhoids complications: systematic review and meta-analysis (Am J Gastroenterol, 2006) — PubMed 16405552
• Chang J, et al. Anal Health Care Basics (Perm J, 2016) — PubMed 27723447
• Krishnaprasadh D, et al. Pediatric Rectal Prolapse (StatPearls, 2026) — PubMed 30335341

References

• Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie. S3-Leitlinie Hämorrhoidalleiden. AWMF-Registernummer 081-007, Version 3.0, Stand 01.04.2019, gültig bis 31.03.2024 (in Überarbeitung).
• Qureshi W, Hoang S, Frye J, Rao SS. AGA Clinical Practice Update on Diagnosis and Treatment of Hemorrhoids: Expert Review. Clin Gastroenterol Hepatol 2026;24(7):1773–1781. PMID 42067175, DOI 10.1016/j.cgh.2026.04.008.
• Alonso-Coello P, Mills E, Heels-Ansdell D, López-Yarto M, Zhou Q, Johanson JF, Guyatt G. Fiber for the treatment of hemorrhoids complications: a systematic review and meta-analysis. Am J Gastroenterol 2006;101(1):181–188. PMID 16405552, DOI 10.1111/j.1572-0241.2005.00359.x.
• Chang J, McLemore E, Tejirian T. Anal Health Care Basics. Perm J 2016;20(4):15-222. PMID 27723447, DOI 10.7812/TPP/15-222.
• Krishnaprasadh D, McKeown DG, Tavarez MM. Pediatric Rectal Prolapse. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2026 Jan–. PMID 30335341.

Keine individuelle medizinische Beratung – dieser Text ersetzt nicht die ärztliche Beurteilung.