Abszess: Wann muss er geöffnet werden?

Ein Abszess ist eine abgekapselte Eiterhöhle unter der Haut. Die wichtigste Behandlung ist die Eröffnung mit Abfluss des Eiters; Antibiotika allein lösen ihn nicht auf.

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Behandlungsraum in einer Praxis mit Behandlungsstuhl und medizinischen Geräten
📸 Shixart1985 / CC BY 2.0

Muss ein Abszess immer aufgeschnitten werden – oder heilt er auch von selbst?

Ein Abszess ist kein großer Pickel, sondern eine abgekapselte Eiterhöhle unter der Haut. Die Kapsel schirmt das Gewebe ab – Antibiotika kommen dort schlecht hin und können den Eiter allein nicht „auflösen". Deshalb ist die wichtigste Behandlung die Eröffnung mit Abfluss des Eiters (Inzision und Drainage); laut Leitlinie ist sie die primär wirksamste Therapie und verhindert zugleich, dass sich die Infektion ausbreitet. Kleine, oberflächliche Abszesse können von selbst aufgehen – dann ist der Druck weg und die Heilung beginnt. Vor dem Öffnen kann Wärme helfen (warme feuchte Umschläge oder Zugsalbe). Nicht selbst herumdrücken oder mit einer Nadel stechen – dabei können Keime tiefer ins Gewebe geraten (Siehe auch: Sprechstunde).

Woran merke ich, dass ich zum Arzt muss?

Typisch ist eine prall gespannte, düsterrote, schmerzhafte und überwärmte Schwellung. Zum Arzt gehört so ein Befund, wenn die Rötung sich ausbreitet, der Schmerz stark zunimmt oder Fieber, Schüttelfrost und allgemeines Krankheitsgefühl dazukommen. Besonders aufpassen an ungünstigen Stellen – Gesicht, Hände, Genitoanalbereich – und bei Diabetes, geschwächtem Immunsystem oder schlechter Durchblutung. Wird der Abszess nicht kleiner, oder geht er auf und schwillt danach wieder an, sollten Sie nicht abwarten. Häufen sich Abszesse, steckt manchmal mehr dahinter, zum Beispiel eine Steißbeinfistel, eine Acne inversa oder ein Erreger, der in der Familie weitergegeben wird (Siehe auch: Akne inversa).

Wie läuft die Behandlung ab – und wie heile ich danach richtig?

Bei der Eröffnung wird die Stelle betäubt, die Höhle geöffnet und der Eiter abgelassen; manchmal bleibt eine Tamponade für kurze Zeit darin, damit der Abfluss weiterläuft. Danach heilt die Wunde oft von innen nach außen und wird nicht sofort verschlossen – ein Verschluss würde Eiter einschließen. Antibiotika sind nicht bei jedem Abszess nötig: Nach der Leitlinie sind sie nur unter bestimmten Umständen zusätzlich sinnvoll, etwa im Gesicht, an der Hand oder im Genitoanalbereich, bei gekammerten Abszessen oder schwieriger Drainage, bei rezidivierenden Abszessen, bei Ausbreitung in das umgebende Gewebe und bei systemischen Symptomen. Danach zählen ein kontinuierlicher Abfluss, täglicher Verbandswechsel, saubere Hände, kein Baden oder Schwimmen bei offener Wunde und körperliche Schonung. Die Heilung dauert je nach Größe und Tiefe oft mehrere Wochen.

Was tatsächlich hilft. Vor dem Öffnen Wärme, danach konsequent für Abfluss sorgen und die Wunde täglich neu verbinden. Nicht selbst daran herumdrücken oder -stechen. Bei Fieber, Schüttelfrost oder einer Rötung, die sich ausbreitet, sofort ärztlich vorstellen statt abzuwarten.

Wann Sie nicht abwarten sollten. Fieber, Schüttelfrost, rasches Größerwerden und rote Streifen auf der Haut sind Warnzeichen: Dann kann sich die Infektion ausbreiten und in eine Blutvergiftung (Sepsis) übergehen. Bei diesen Zeichen zeitnah ärztlich abklären lassen – ebenso bei einem Abszess im Gesicht, an der Hand oder im Genitalbereich sowie bei Diabetes oder Immunschwäche.

Was Sie mitnehmen können

  • Ein Abszess ist eine abgekapselte Eiterhöhle. Die wichtigste Behandlung ist die Eröffnung mit Abfluss (Inzision und Drainage) – nicht das Zuwarten mit Salben.
  • Antibiotika ersetzen die Drainage nicht, sondern sind nur in bestimmten Situationen zusätzlich sinnvoll (Gesicht, Hand, Genitoanalbereich, gekammerte Abszesse, Rezidive, Ausbreitung, Immunschwäche).
  • Fieber, Schüttelfrost, rasch zunehmende Rötung und rote Streifen sind Warnzeichen für eine Ausbreitung – dann zeitnah ärztlich abklären lassen.
  • Nach der Eröffnung zählt ein kontinuierlicher Abfluss mit täglichem Verbandswechsel; Heilungsdauer und Narbe hängen von Größe und Tiefe ab. Wiederkehrende Abszesse abklären lassen.

Sources

• S2k-Leitlinie „Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018", Kapitel 9 Haut- und Weichgewebeinfektionen, AWMF-Registernummer 082-006 (Stand 01.12.2017, Gültigkeit seit 30.11.2022 abgelaufen, Überarbeitung angemeldet) — AWMF-Register
• Talan et al., N Engl J Med 2016 (Antibiotika nach Abszess-Drainage) — PubMed 26962903
• Daum et al., N Engl J Med 2017 (kleinere Hautabszesse) — PubMed 28657870

References

• Sunderkötter C, Becker K, Eckmann C, Graninger W, Kujath P, Schöfer H, et al. S2k-Leitlinie Haut- und Weichgewebeinfektionen. Auszug aus „Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018". J Dtsch Dermatol Ges 2019;17(3):345–371. DOI 10.1111/ddg.13790_g.
• Talan DA, Mower WR, Krishnadasan A, et al. Trimethoprim-Sulfamethoxazole versus Placebo for Uncomplicated Skin Abscess. N Engl J Med 2016;374(9):823–832. PMID 26962903, DOI 10.1056/NEJMoa1507476.
• Daum RS, Miller LG, Immergluck L, et al. A Placebo-Controlled Trial of Antibiotics for Smaller Skin Abscesses. N Engl J Med 2017;376(26):2545–2555. PMID 28657870, DOI 10.1056/NEJMoa1607033.

Keine individuelle medizinische Beratung – dieser Text ersetzt nicht die ärztliche Beurteilung.