Analfissur: Wann operiert wird – und was danach wirklich zählt

Die akute Analfissur heilt in 60 bis 90 Prozent der Fälle konservativ. Wird operiert, ist die schließmuskelschonende Fissurektomie die erste Wahl – und danach entscheidet der Stuhlgang.

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Muss ich operiert werden?

Meistens nicht sofort. Die akute Analfissur heilt in 60 bis 90 Prozent der Fälle konservativ. Die S3-Leitlinie empfiehlt deshalb mit dem stärksten Grad (A): erst 6 Wochen konservativ behandeln, dann operieren. Entscheidend ist dabei der Stuhl — weich und ballaststoffreich —, nicht die Salbe.

Und wenn sie chronisch wird?

Chronisch heißt: Beschwerden über 6 bis 8 Wochen hinaus, meist mit Wächtermariske oder Vorpostenfalte. Dann heilen konservativ nur noch etwa 50 Prozent. Medikamentöse Erstlinie ist topisches Diltiazem (Calciumantagonist) — wirksam wie Nitrate, aber seltener Kopfschmerzen, die unter Nitraten in etwa 30 Prozent auftreten. Hilft das nicht, kommen Botulinum-Toxin oder eine Operation in Frage (Siehe auch: Gummibandligatur bei Hämorrhoiden).

Welche Operation — und wie lange dauert das?

Wird operiert, ist die Fissurektomie das Verfahren der ersten Wahl: die Fissur wird flach ausgeschnitten, der Schließmuskel bleibt erhalten. Sie heilt besser als jede konservative Therapie und hat deutlich weniger Inkontinenz als die Spaltung des inneren Schließmuskels (LIS). Die LIS heilt am zuverlässigsten, ist wegen des Inkontinenzrisikos aber keine Erstlinie. Die Schmerzen sind vor allem beim Stuhlgang stark und lassen meist in den ersten zwei Wochen nach. In einer randomisierten Studie kehrten die Patienten nach etwa 8 Tagen zur normalen Aktivität zurück, und 40 Tage nach der Operation war die Wunde bei 80 bis 100 Prozent geschlossen (Siehe auch: Sprechstunde).

Was tatsächlich hilft. Vor und nach der OP derselbe Punkt: der Stuhl. Flohsamenschalen oder Macrogol, viel Trinken, nicht pressen. Für die Nachbehandlung sieht die Leitlinie Stuhlregulation plus lokale Calciumantagonisten bzw. Nitrate und eine Nachkontrolle mit Proktoskopie nach 6 Wochen vor. Eigene Studien dazu gibt es laut Leitlinie nicht.

Wann Sie nicht abwarten sollten. Sitzt die Fissur seitlich oder mehrfach, oder kommen Fieber, Eiter, eine Fistel, Durchfall, Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl dazu, ist es keine einfache Fissur — dann gehören weitere Untersuchungen dazu. Das entfernte Gewebe soll nach jeder Fissurektomie histologisch untersucht werden.

Was Sie mitnehmen können

  • Vor jeder Operation stehen 6 Wochen konservative Therapie — mit Fokus auf weichem Stuhl, nicht auf Salben.
  • Chronisch heiĂźt ĂĽber 6–8 Wochen; dann heilen konservativ nur noch etwa 50 %, und Diltiazem ist die medikamentöse Erstlinie.
  • Operative Erstlinie ist die schlieĂźmuskelschonende Fissurektomie, nicht die Spaltung des inneren SchlieĂźmuskels.
  • Nach der OP entscheidet der Stuhlgang; die Nachkontrolle mit Proktoskopie ist nach 6 Wochen vorgesehen.

Sources

• S3-Leitlinie Analfissur, AWMF-Registernummer 081-010 — Detailseite im AWMF-Register
• Kurzfassung der Leitlinie: Marti et al., coloproctology 2020 — doi.org/10.1007/s00053-020-00448-7
• Ebinger et al., J Gastroenterol 2017 (Netzwerk-Metaanalyse, 44 RCT) — PubMed 28396998
• Nelson et al., Tech Coloproctol 2017 (148 RCT) — PubMed 28795245
• Realis Luc et al., Tech Coloproctol 2025 (Langzeit-Inkontinenzraten) — PubMed 40696236
• D'Orazio et al., World J Clin Cases 2021 (Fissurektomie + Botulinum-Toxin) — PubMed 34877311
• Alkhaldi et al., Med Arch 2015 (Schmerz und Arbeitsfähigkeit) — PubMed 26261389

References

• Marti L, Post S, Herold A, Schwandner O, et al. S3-Leitlinie: Analfissur. coloproctology 2020;42:90–196. DOI 10.1007/s00053-020-00448-7.
• Ebinger SM, Hardt J, Warschkow R, et al. Operative and medical treatment of chronic anal fissures — a review and network meta-analysis of randomized controlled trials. J Gastroenterol 2017;52(6):663–676. PMID 28396998, DOI 10.1007/s00535-017-1335-0.
• Nelson RL, Manuel D, Gumienny C, et al. A systematic review and meta-analysis of the treatment of anal fissure. Tech Coloproctol 2017;21(8):605–625. PMID 28795245, DOI 10.1007/s10151-017-1664-2.
• Realis Luc A, Di Vittori A, Salvatore A, et al. Long-term incontinence rates after traditional lateral internal sphincterotomy: a 5-year retrospective analysis from a high-volume tertiary referral center for proctologic disorders. Tech Coloproctol 2025;29(1):149. PMID 40696236, DOI 10.1007/s10151-025-03189-1.
• D'Orazio B, Geraci G, Famà F, et al. Botulinum toxin associated with fissurectomy and anoplasty for hypertonic chronic anal fissure: a case-control study. World J Clin Cases 2021;9(32):9722–9730. PMID 34877311, DOI 10.12998/wjcc.v9.i32.9722.
• Alkhaldi HM, Salaita WM, Shabaneh MA, et al. Postoperative outcome comparison between pudendal nerve block and caudal block after lateral open internal sphincterotomy. Med Arch 2015;69(3):187–189. PMID 26261389, DOI 10.5455/medarh.2015.69.187-189.

Keine individuelle medizinische Beratung – dieser Text ersetzt nicht die ärztliche Beurteilung.